Kunst

Kein Basler: Lucius Munatius Plancus

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Die Statue des römischen Feldherrn Lucius Munatius Plancus wurde vom Bildhauer Hans Michel aus Strassburg geschaffen. Michel war nach Basel gekommen, wo er schon bald unentgeltlich das Bürgerrecht erhielt – zum Dank schenkte er Basel 1580 die Skulptur aus Stein.

Da die Statue auf einem hohen Sockel prominent mitten im Innenhof des Rathauses steht, gehen viele Besuchende davon aus, dass der Römer mit dem Goldhelm der Gründer von Basel sei. Dieser Mythos kann aber mit Sicherheit widerlegt werden und heute gilt Lucius Munatius Plancus einzig als Gründer der römischen Kolonie Augusta Raurica in Augst.

Übrigens: Wem die rote Spitzenunterhose mit Goldrand von Lucius Munatius Plancus auffällt, fragt sich vielleicht, ob die Römer wirklich solche Unterwäsche unter ihrem Rock trugen. In Basel nennt man die knapp übers Knie reichenden Spitzenhöschen übrigens «Spaaledoor-Hose» – meistens war sie mit offenem Schritt geschnitten. Mit ziemlicher Sicherheit entstand die augenfällige Rot-Gold-Kombination der Unterhose von Lucius Munatius Plancus bei einem Neuanstrich mit Ölfarben bei einer Renovierung um 1900.

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Wie die Maria zur Justitia wurde

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An der Justitia-Statue, die sich oberhalb der Uhr an der Rathaus-Fassade befindet, fällt beim näheren Hinschauen ihre etwas seltsame Körperhaltung auf. Vor allem ihre Arme scheinen sehr steif von ihrem Körper abzustehen. Grund für die ergonomische Auffälligkeit ist, dass die Justitia einst eine Madonna war: Bis 1608 hielt die Figur ein Jesuskind im linken Arm und ein Zepter in der rechten Hand. Im Zuge der Reformation wurde die Figur – wie andere Madonnen auch – im Jahr 1608 umgearbeitet. So wurde das Jesuskind entfernt, genauso wie Zepter und Marienkranz, und an ihre linke Hand wurde eine Waage gehängt, in ihre rechte steckte man ein Schwert.

Das dritte Wahrzeichen der Justitia, die verbundenen Augen, liess der Bildhauer aber weg – er traute sich wohl aus Angst, etwas zu zerstören, nicht, am Gesicht zu arbeiten. Man geht davon aus, dass ersatzweise ein Stück Stoff um die Augen gebunden wurde, dieses aber schon lange verschwunden ist. Die so konstruierte Justitia wurde 1878 beim Umbau des Rathauses durch eine Kopie ersetzt und das Original ist seither im Historischen Museum Basel zu bewundern – leider ohne Schwert, denn dieses ist verschwunden.

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Die verkehrte Welt im Regierungsratssaal

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Die geschnitzten Querfriesen an der Decke des Regierungsratssaals sind sowohl kunsthistorisch wie auch ikonografisch interessant. Sie wurden Anfang des 16. Jahrhunderts von einem Bildschnitzer namens Meister Hans kunstvoll angefertigt.

Die Schnitzereien zeigen eine «Verkehrte Welt», in der Hasen den Jäger und seine Hunde jagen. Der Jäger wird anschliessend am Spiess gebraten, die Hunde in grossen Töpfen gegart. Dass sich diese Sujets am Regierungssitz befinden, kann als Umkehrung der herrschenden Verhältnisse gelesen werden: Die Basler Regierung wird gemahnt, sich ihrer Position bewusst zu sein und mit ihrer Macht verantwortungsvoll umzugehen.

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Eins, zwei, Papagei: drei Theorien zum Vogel

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In den Wandgemälden an der Innenhof-Fassade des Rathauses prangt ein bunter Papagei. Und an der Aussenfassade zum Marktplatz entdecken aufmerksame Besuchende innerhalb der Darstellung «Jüngling mit Papagey» ein weiteres Exemplar. Wie hat der bunte Vogel seinen Weg ins Rathaus gefunden? Dazu drei mögliche Antworten:

1. Der Papagei als Sinnbild für die Jungfrau Maria:
Im Mittelalter wurde der Papagei gerne als Symbol der Marienverehrung abgebildet – er meide den Regen wie den Teufel, um sein farbenfrohes Gefieder zu schützen, was als Analogie zur jungfräulichen Reinheit gedeutet wurde.

2. Der Papagei als Motiv der papsttreuen Basler Rittergesellschaft «Psitticher»:
Diese katholischen Ritter hatten sich das Motiv des «Psittichs» (altbaslerisch für «Papagei, Sittich», von lateinisch «psittacus») ebenfalls aufgrund der Mariensymbolik ausgesucht – im 13. Jahrhundert, lange vor der Reformation, wehte ihre Fahne in ganz Basel und könnte es als Hommage bis an die Rathauswand geschafft haben.

3. Der Papagei als Prestigeobjekt:
Beim Bau des Rathauses sowie bei seinen vielen Erweiterungen ging es immer auch darum, Basels Wohlstand nach aussen zu kommunizieren. Der Papagei galt wie alle exotischen Tiere als Symbol für Reichtum und einen gewissen Lebensstandard – so passte er als damaliges Luxussymbol perfekt zum Prestigebau Rathaus.

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Literaturtipp

Möhle, Martin: Das Rathaus in Basel
Verlag: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte

Quellenangaben

Live
Grosser Dank gebührt Dr. phil. Anatol Schenker, der sehr viel Interessantes über das Rathaus Basel zu erzählen weiss. Anatol Schenker leitet die Kurse «Fit für Basel» der Bürgergemeinde als Vorbereitung zur Einbürgerung und ist Geschäfts- und Schulleiter der GGG-Kurse.

Literatur
Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, 14 Bde., Basel 1932–2006. Bd. 1: Baer, C. H.: Vorgeschichtliche, römische und fränkische Zeit. Geschichte und Stadtbild; Befestigungen, Areal und Rheinbrücke; Rathaus und Staatsarchiv. Hrsg. von der Schweizerischen Gesellschaft für Erhaltung Schweizerischer Kunstdenkmäler, Birkhäuser Verlag Basel, 1932 (unveränderter Nachdruck 1971), S. 337–646.

Möhle, Martin: Das Rathaus in Basel. Schweizerische Kunstführer GSK; Serie 95, Nr. 947–948. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK Bern, 2014.

Ritter, Markus (Hrsg.): Wer regieren will, muss viel hören, und nicht hören. Spruchweisheiten und Inschriften im Basler Rathaus. Schwabe Verlag Basel, 2014.

Online
altbasel.ch, barfi.ch, bzbasel.ch, tageswoche.ch, telebasel.ch, wikipedia.de