Politik

Der «verkehrte» Baselstab im Rathaus

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Wer vor dem Rathaus steht, wundert sich vielleicht, weshalb der eine der drei schwarzen Baselstäbe über den Arkaden nach rechts statt nach links zeigt. Wurde hier etwa gepfuscht? Keinesfalls: Bei der Gestaltung der Rathaus-Fassade war der Baselstab einfach noch nicht «genormt». Entstanden im 13. Jahrhundert symbolisiert der Stab den Bischofssitz Basel – erst nach der Kantonstrennung von Stadt und Land 1832/33 wurde der baselstädtische Stab als schwarz und nach links gewandt, der basellandschaftliche als rot und nach rechts gewandt definiert. So ist ein «falscher» schwarzer Baselstab auch im Innern des Rathauses an weiteren Orten zu entdecken.

Erstaunlich ist auch, dass sich Basel das katholische Wahrzeichen des Bischofsstabs für sein Wappen ausgesucht und dieses auch nach der Reformation behalten hat, obwohl es sich vom Bischof emanzipiert hatte. Auch wenn der Ursprung des Stabs im antiken Hirtenstab liegt, ist er stark mit dem Bistum Basel verknüpft – anscheinend war dies aber kein Anlass für einen protestantischen Aufstand.

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Geschenke zum Neubau: die Standesscheiben

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Die beiden grossen Fensterfronten im Regierungsratssaal werden von fast 400 Jahre alten Glasmalereien geschmückt. Es sind Standesscheiben, welche die Wappen der Kantone der Eidgenossenschaft zu Beginn des 16. Jahrhunderts zeigen. Die damalige Tradition, die Stände um die Stiftung solcher Wappenscheiben für einen Neubau zu bitten, kam Basel gerade recht: Der Bau des neuen Rathauses bis 1514 war viel teurer geworden, als anfänglich geplant, und so war die Stadt um sämtliche Beiträge froh – und tat mit den geschenkten Standesscheiben gleichzeitig ihren Stolz über den Beitritt zur Eidgenossenschaft kund.

Geschaffen hat die Wappenserie der Basler Glasmaler Antoni Glaser. Die Fenster sind von grossem kunsthistorischem Interesse, da sie mehrheitlich sehr gut erhalten sind. Einzig das Wappen von Unterwalden hat 1869 stark gelitten und musste zu grossen Teilen geflickt werden – es wird vermutet, ein Hagelsturm sei die Ursache gewesen. Die Solothurner Originalscheibe ist gänzlich verschwunden und wurde ersetzt. Nur anhand der Rechnung von Antoni Glaser konnte nachgewiesen werden, dass es dieses Wappen überhaupt gab. Prunkstück der Serie ist die Scheibe von St. Gallen: Sie ist nicht nur am kunstvollsten gestaltet, sondern auch am besten von allen erhalten.

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Wenn das Glöckchen zur Sitzung klingelt

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Lange hatte das Rathaus keinen Turm – erst vor etwas mehr als hundert Jahren wurde dieser dem bestehenden Gebäude hinzugefügt. Bereits seit 1511 aber thront das kleine Türmchen, der goldene Reiter, mit dem Glockenhaus auf dem Dach des Vordergebäudes und glitzert bei schönem Wetter wunderbar in der Sonne.

Bis 1400 befand sich die Ratsglocke, welche die Räte zur Versammlung rief, im Turm der Martinskirche. Als mit dem Neubau des Rathauses auch der Dachreiter errichtet wurde, stattete man ihn mit einer Glocke aus, die mit der Uhr an der Rathaus-Fassade verbunden war. Dies ist bis heute so: Immer, wenn das Rathausglöckchen am zweiten oder dritten Mittwoch des Monats kurz vor neun Uhr klingelt, trifft sich der Grosse Rat zur Sitzung. Wer dieser beiwohnen will, kann dies jederzeit tun: Einfach vom Innenhof her rechts die Aussentreppe hoch, dann dort durch die erste Türe und rechts die Treppe zur Zuschauertribüne im zweiten Stock nehmen.

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Literaturtipp

Möhle, Martin: Das Rathaus in Basel
Verlag: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte

Quellenangaben

Live
Grosser Dank gebührt Dr. phil. Anatol Schenker, der sehr viel Interessantes über das Rathaus Basel zu erzählen weiss. Anatol Schenker leitet die Kurse «Fit für Basel» der Bürgergemeinde als Vorbereitung zur Einbürgerung und ist Geschäfts- und Schulleiter der GGG-Kurse.

Literatur
Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt, 14 Bde., Basel 1932–2006. Bd. 1: Baer, C. H.: Vorgeschichtliche, römische und fränkische Zeit. Geschichte und Stadtbild; Befestigungen, Areal und Rheinbrücke; Rathaus und Staatsarchiv. Hrsg. von der Schweizerischen Gesellschaft für Erhaltung Schweizerischer Kunstdenkmäler, Birkhäuser Verlag Basel, 1932 (unveränderter Nachdruck 1971), S. 337–646.

Möhle, Martin: Das Rathaus in Basel. Schweizerische Kunstführer GSK; Serie 95, Nr. 947–948. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK Bern, 2014.

Ritter, Markus (Hrsg.): Wer regieren will, muss viel hören, und nicht hören. Spruchweisheiten und Inschriften im Basler Rathaus. Schwabe Verlag Basel, 2014.

Online
altbasel.ch, barfi.ch, bzbasel.ch, tageswoche.ch, telebasel.ch, wikipedia.de